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Stop-in-motion – Bilder im Übergang


Die künstlerische Arbeit von Frau Perthen manifestiert sich in der heterogenen Bandbreite einander berührender und gleichsam im Dialog miteinander stehenden Genres. In Photographie, Malerei, Graphik, Installation und nicht zuletzt im Animationsfilm entstehen parallele Welten, die sich autonom definieren, einander aber sensibel in semipermeabler Kohärenz bedingen.

Photographische Beobachtungen im deutsch-polnischen Grenzgebiet verarbeiten konkrete Momente des Übergangs. Urbane Landschaften mit ihren Menschen an der Demarkationslinie zweier Kulturen verweisen in expressivem Farbklima auf das bevorzugte Colorit der malerischen Collagen im Animationsfilm, während die strenge Binnengliederung der Bilder die strukturelle und kompositorische Strategie der raumbezogenen Objekte erahnen lässt. Streifenschemata der frühen malerischen Arbeiten explizieren die in additiv geschichteten Kartonagen gefertigten plastischen Installationen. 

Das Innehalten im malerischen Prozess charakterisiert die experimentellen Videoanimationen von Linda Perthen. Sie montiert die fortlaufenden Stadien auf dem Weg zum vermeintlich endgültigen Bild zu einer assoziativen Collage. Mit ausgeprägtem Farbgefühl und traumwandlerischer Sicherheit werden intuitiv und präzise zugleich die Koordinaten für die notwendige Unterbrechung im fortreißenden malerischen und medialen Geschehen ermittelt.
Der stetige Aufbruch ins Neuland von Farbe und ausdrucksstarker Zeichen-haftigkeit in Verbindung mit einer andauernden medienimmanenten Dynamik wirft einen fast melancholischen Blick auf das Bedürfnis der Malerin, den Zeitpunkt des richtigen Bildes nicht zu verpassen.

Linda Perthen widersetzt sich diesem Gedanken an das Unwiederbringliche und gibt ihm gleichzeitig einen Raum in der potenziellen medienspezifischen Rückschau. Sie hält die jeweiligen Zustände fest ohne sie als Resultat erleben oder definieren zu wollen. Die Künstlerin begibt sich auf eine Reise ins »Strange Land«, auf der sie Einzelbilder im Wortsinn produziert, um sie sogleich der Kaskade eines dahin fließenden clusterartigen Assoziationsgewitters zu überantworten. Die unterlegten Klangcollagen unterstützen die Konkretion des Bildhaften und umschließen die Videomontage zu einem hermetischen Ganzen. Malerei, Klang und Narration verschmelzen zu einer multimedialen Akkumulation von poetischer Dichte.


Michael Soltau

Professor am Caspar-David-Friedrich-Institut, Universität Greifswald